Unser Leben mit Rolf


Ja wie soll ich anfangen ?
Wir kamen damals mit meinem Stiefvater aus Eisenach
und zogen auf ein kleines Dörfchen in Niedersachsen.
Mein Stiefvater war Fernfahrer und war sehr oft unterwegs.
Was gut für meine Mama und mich war ;o))
Arbeitsbedingt musste meine Mama immer mit dem Bus in das nächstgelegene Städtchen fahren.
Sie erzählte mir immer das der Busfahrer ihr "schöne Augen" macht.
Ich war 14 und hab mir da auch keine "großen" Gedanken gemacht,
traf mich lieber mit Freunden.
Als ich einmal mit Freunden auf den Bus wartete der mich nach Hause bringen sollte,
hatte ich keine Ahnung das mich meine erste Begegnung
mit eben diesem Busfahrer erwarten würde ;o))

Gesagt - getan.
Ich stieg ein, und wurde gleich erstmal zur Begrüßung angemotzt.
"Wenn ich mich im Bus genauso benehmen würde wie draußen,
könnt ich gleich zu Fuß gehen"
Das wars, dachte ich, keiner Schuld bewußt.
Was ich in dem Moment dachte, behalte ich lieber für mich ;o)))
Zu Hause angekommen, beichtete mir meine Mama wir würden zum Abendessen Besuch bekommen.
Schön dachte ich, dann bin ich mal gespannt.
Es klingelte und ich weiss nicht mehr wer aufmachte,
aber ich werd mein Gesicht net vergessen als ich den Busfahrer sah der mich Stunden zuvor
noch aus dem Bus schmeissen wollte ;o))
Im ersten Moment war ich bedient lol, aber es stellte sich raus das er eigentlich ziemlich schüchtern
aber auch ziemlich nett war.
Auch wenn ich Ihn gerne damit aufzog das er Ronald Mc Donald sehr ähnelte hihi

Wir hatten in den nächsten Wochen viel spaß gehabt
und es kamen auch so einige Lachnummern zustande.
Wir dachten dann alle es wäre besser wenn wir aus der Wohnung ausziehen,
aber mein "alter" Stiefvater nahm uns diese Entscheidung dann ab.
Er zog aus und Rolf ein.
Dieser war aber auch nicht sehr traurig darüber, die Ehe verlief nicht wirklich gut.
Als dann endlich die Scheidung über die Bühne war und auch Rolf seine Scheidung durch hatte,
liefen die Hochzeitsplanungen an.

Am 06.03.1997 wurde dann endlich geheiratet.
2 Monate später heirateten mein Mann und ich dann auch,
und nochmal ca. 2 Monate später bekamen wir unseren Sohn.
Es vergingen viele schöne Jahre und es passierte auch viel,
bei mir kamen dann noch meine beiden Mädels zur Welt
und Oma und Opa waren immer im Mittelpunkt.
Es gab viele Höhen aber auch viele Tiefen bei uns allen.
Aber das schlimmste Tief kam erst noch.
Rolf arbeitet weiterhin als Busfahrer, aber irgendwas stimmte nicht.
Er konnte sich manchmal nicht mehr auf den Beinen halten, diese knickten immer weg
und er sank zu Boden.
Nach mehreren Arztbesuchen kam er dann in eine Klinik und Ihm wurden ( warum auch immer )
Bewegungstherapien ect verschrieben.
Nebenbei wurde er auch mehrmals untersucht um endlich eine Diagnose stellen zu können.
Im Mai 2007 ca. kam diese dann endlich.
ALS - Amyotrophe Lateralsklerose
Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich was das heisst,
aber nach vielen Gesprächen mit den Ärzten und vielen Suchen im Internet wurde es uns bewusst.
Laut arzt hatte er eine Lebenserwartung von 1-10 Jahren.
Das hat uns alle sehr schockiert und erschüttert.

Durch einen Umzug in eine Erdgeschoss-Wohnung versuchten wir es Ihm etwas zu erleichtern,
denn bald brauchte er einen Rollstuhl.
Das Treppensteigen ging gar nicht mehr, und das laufen mit dem Rollator auch kaum noch.

Durch Zufall, bekam er auch wieder Kontakt zu eins seiner Kinder.
Beim Zeitung lesen, erkannte er seine Tochter Petra auf einem Bild wieder.
Beide waren sehr froh darüber, auch Ihr Sohn Daniel freute sich über einen Opa sehr !
Die Besuche häuften sich und auch ich lernte sie endlich einmal kennen,
und wir verstanden uns auf Anhieb.
Auch die neuen Nachbarn wurden nicht nur eben zu "Nachbarn" sondern zu liebgewonnen Freunden !
Der langjährige Freund meines Vaters kam nun auch häufiger wieder zu Besuch.
So kam es auch das der Geburtstag von Rolf etwas ganz besonderes sein sollte.
"Alte" und "Neue" Freunde taten sich zusammen und organisierten einen Tagesausflug nach Hamburg.
Und um den vielen Ausreden gleich vorzubeugen, wurde bis ins kleinste Detail geplant.
Vier Tage nach seinem 58. Geburtstag war es soweit,
Ich passte auf die Kids auf und die 6 fuhren zusammen nach Hamburg und hatten einen super tollen Tag
Rolf hatte sich sehr gefreut und hatte genauso viel Spaß,
er wollte unbedingt noch einmal dorthin.

Leider war Ihm das nicht mehr gegönnt.
Am 11.02.2008 hat die Krankheit gesiegt und wir einen lieben Menschen verloren.
Wir alle Danken Dir für all die schönen Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre
die wir Gemeinsam mit Dir verbringen durften
Auch wenn diese Zeit für alle noch zu wenig war !!
Wir vermissen Dich alle sehr !!

© Design by Katy 12.04.2008